1000 Meter Männer

Es ist Wochenende.  Und Wochenende bedeutet in erster Linie Relaxen – in zweiter Linie Kilometer machen. Da der Doc noch keine Freigabe für’s echte Sporteln gegeben hat (jaja, die Bronchien), geht es in etwas gemäßigterem Tempo in den Wald. Schließlich muss Chris seine neuen Wanderschuhe einlaufen und meinen schadet es auch nicht, wenn sie mal wieder bewegt werden.

Unsere Route führt uns zu Beginn entlang eines Trimmpfades. Diverse Schilder, die uns auffordern Rumpfbeugen, Froschsprünge, Liegestützen oder Klimmzüge zu machen, ignorieren wir geflissentlich. Ich habe dabei auch nicht im geringsten ein schlechtes Gewissen. Ein Schild am Wegrand lässt mich aber ein- bis zweimal stutzen. Beim dritten Mal stutzen zücke ich mein iPhone – hier das Beweisbild:

1000m Männer

1000m Männer

Was soll ich mit tausend Metern Männer? (mir reicht einer völlig) … und wie muss ich diese Übung im Detail ausführen? Nach jedem Mann den Rumpf beugen (mit Nachwippen?) , ein paar Froschsprünge machen (Sportler 10, Nichtsportler 15 Wiederholungen) oder Slalom laufen? Wegen unklarer Aufgabenbeschreibung – z.B. waren weder die Übungsdauer noch die Anzahl verbrauchter Kalorien gelistet – habe ich von der Durchführung der Übung abgesehen.

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Frühe Vorsätze

Als ich zum letzten Mal einigermaßen ausführlich etwas niedergeschrieben habe, war ich gerade aus dem Urlaub zurück. Jetzt melde ich mich einerseits wieder – und andererseits die nächsten Reisevorbereitungen.

Im Mai 2009 will ich hoch hinaus und werde – so nichts dazwischen kommt – mein müdes Gebein nach Nepal auf eine Höhe von 5360 Meter ins südliche Mount Everest Basecamp schleppen. Naturfaul geboren würde ich das natürlich kaum machen, wenn es nicht (wenigstens am Rande) etwas mit Fotografie zu tun hätte. Und das hat es. Das Ganze ist nämlich über den Trek hinaus auch noch ein Foto- und Videoworkshop. Einer der beiden Workshopleiter ist zufällig meine bessere Hälfte und so kommt eins zum anderen.

Noch ist es allerdings ein gutes Stück Weg, bis ich mich überhaupt auf  die Socken machen kann. Neben jeder Menge zusätzlichem Kram, den man auf einem knapp vier wöchigen Trekking so braucht, muss ich mir auch wieder ein gerüttelt Maß an Fitness zulegen. Im Moment bin ich davon noch weit entfernt – ich nehme so ziemlich jeden Infekt mit, der am Wegrand liegt, was mein Sportprogramm zur Ausnahme statt zur Regel degradiert. Solange die Bronchien noch pfeifen tausche ich aushilfsweise Aufzug gegen Treppe und mache lange Spaziergänge so oft es nur geht.

Meine Weihnachtswunschliste enthält diesesmal kaum Fotoequipment sondern so Sachen wie  Funktionsunterwäsche, Trinkwasser-Reinigungstabletten, Stirnlampe, neue Teleskopstöcke, Expeditionsreisetaschen, Schlafsack und jede Menge Groß- und Kleinkram. Das Wichtigste an Weihnachten ist dieses Jahr aber der 14-tägige Wander-Faulenz-Fotografier- & Schlafurlaub in der Schweiz. Ich drück mir mal die Daumen, dass sich mein Immunsystem dort so gut erholt, dass ich im neuen Jahr auch wieder mit Joggen und Training im Fitnessstudio anfangen kann.

Wundern Sie sich also nicht, wenn es hier auf dem Blog neben den üblichen blutrünstigen Geschichten von Unfällen mit Hieb- und Stichwaffen Schneidewerkzeugen oder Tiefkühlfisch, demnächst häufiger prä-nepalesische Klagen über Muskelkater, Impfbeulen oder Pinkeltrichter finden. Blogs sind bekanntlich geduldig und irgendwo muss ich meinen Kummer ja loswerden. Bis dahin, gehaben Sie sich wohl! …

Trainingspegel der letzten drei Tage:
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Samstag 29.11: Spaziergang, 7,5 km
Sonntag 30.11: Spaziergang, 9 km
Montag 01.12: Treppensteigen, insgesamt 12 Etagen

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Im Sucher

 Warum ich fotografiere? Bei der Frage gerate ich ins Grübeln. Es muss doch auszudrücken sein, was mich umtreibt, was mich an diesem Medium so fasziniert. Spontan fällt mir dazu ein: „Weil ich nicht zeichnen kann!“ – genauso wahr ist aber auch: „Weil ich zu faul bin, alle Bilder, die ich sehe, zu be-schreiben!“.

Meine erste „ordentliche“ Kamera habe ich Anfang der 90er Jahre erstanden. Vorher hatte ich Tonnen von Büchern über Fotografie aus der Bibliothek ausgeliehen oder gekauft und anschließend leergelesen.

Noch vor dem ersten eigenen Bild hatten sich viel Theorie und noch mehr visuelle Eindrücke in meinen grauen Zellen eingenistet. Die ersten eigenen Ergebnisse gefielen. Nicht nur mir sondern auch anderen. Trotzdem – das war alles zu weit weg von den Bildern, die mir in Ausstellungen und Büchern so gefallen hatten.

Mehr Im Sucher auf photoappar.at, dem Weblog von Ralf-Jürgen Stilz über “künstlerische Fotografie, Bildbände, Hardwarefetischismus und das Leben in digitalen Foto-Communities”.

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Fischgeschick

Frau caliente liebt es, von meinen Missgeschicken zu lesen. Besonders amüsiert es sie, wenn Blut fließt. Extra für Frau caliente gestehe ich hier und jetzt, dass mich heute mit einem Tiefkühlfisch angelegt habe. Mit einem Rotbarsch, um es präzise auszudrücken.

Ich stehe meinem Tiefkühlschrank. Voller Elan (bzw. Hunger) mache ich mit Schwung und einem kleinen Messer (die Schere war abgängig) einen Schnitt in die Verpackung. Durch die Öffnung angle ich mit dem Finger nach einem Filet. Die Dinger pappen irgendwie aneinander und so ziehe ich statt einem, gleich drei aus der Tüte. Zwei davon folgen der Schwerkraft und schlagen mit der Kante auf meinem rechten nackten Fuß auf. Probieren Sie es ruhig mal aus – es ist kein schönes Gefühl, wenn einem gefrorener Fisch aus ca. 1,70 Metern Höhe auf den Fuß fällt. In einem Anflug kalter Rache (bzw. Hunger) mache ich mich nun daran, dem Fisch ein Gemüsebett zu schnippeln, auf dem er nachher mit etwas Wein, Kreuzkümmel und ein bisschen Butter garen soll. Natürlich ergreift mein Messer für den Fisch Partei und dringt in meinen Daumen ein. Es blutet (bitte sehr, Frau caliente). Weil ich nicht gewillt bin, den Fisch mit Blut, statt Wein anzugießen, wickle ich ein Tuch um den Daumen und schneide weiter. Was interessiert mich so ein Schnitt!
Der Rotbarsch wandert also wie geplant in den Backofen und nach 25 Minuten klingelt brav der Wecker. Eine Prüfung zeigt, dass das Gemüsebett noch ein bisschen braucht und so setze ich mich wieder vor meinen Computer um weiter Bilder zu bearbeiten. Nur kurz, nur fünf Minuten. Aus fünf Minuten werden fünfzehn. Das Gemüse hat ordentlich Farbe gezogen (… ähem, ist schwarz eine Farbe?) und der Fisch auch. So ein Reinfall. Gut dass noch Wein übrig ist, ich brauche dringend einen Schluck. Meinen Sie eine Klage gegen flickr und eine Softwarefirma wegen Mundraub hätten Aussicht auf Erfolg?

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Kinder-Essen

Es ist Sonntag. Sonntag vormittag – und ich befinde mich gerade daheim. Daheim meint, im Haus meiner Eltern. Im Lauf der letzten Woche habe ich entschieden, dass ein bisschen Heimatluft meinem Gemüt vielleicht ganz gut tun würde. Darum habe ich mich am Freitag zum Feierabend trotz Kyrill oder seinem Nachfolger für 3 Stunden auf die Autobahn begeben und bin gen Rheinland gerollt.

So ein Wochenende zu Hause entbindet mich von dem Zwang selbiges mit Einkaufen, Putzen oder Ablage von div. Schreiben zu verbringen und lockt daher mit scheinbar mehr faul verbrachter Freizeit. Andererseits endet es immer schon früh, nämlich gegen 17:30 Uhr am Sonntag, wenn ich mich wiederum in mein mausgraues Auto setze um rechtzeitig zum Abendprogramm wieder in meiner norddeutschen Wahlheimat einzutreffen.
Wochenenden, die früh so enden, pflegen bei mir gleich Sonntags nach dem Aufstehen mit einer kleinen Wochenend-End-Depression zu beginnen, weshalb ich meist eine Zeit brauche, um zu Normalform aufzulaufen. So auch heute. Inzwischen bin ich allerdings schon ein bisschen besänftigt. Ich habe lange heiß geduscht, was bei mir ein Allerheilmittel darstellt – so wie bei anderen eine Tasse Tee.

Jetzt zieht ein Duft von Mittagessen durch das Haus, der mich mit leiser Nostalgie erfüllt. Heute gibt es ein echtes Kinderessen. Hühnerragout mit Reis und Erbsen-und-Möhren-Gemüse. Dazu – wie immer – selbst gemachten Apfelkompott in der kurz-vor- Mus-Konsistenz. Obwohl sicherlich nicht der Haute-Cuisine angehörend, gehört das doch zu den Speisen, die ich immer schon gemocht habe und auch heute noch gerne esse. Da kommen Erinnerungen auf an eine Zeit, in der ich noch in der Lage war, vollständig in einer Welt zu versinken, die bevölkert war von Sam Hawkins, Winnetou und Old Shatterhand, durch die quietschend meine Lego-Eisenbahn fuhr und in der ich regelmäßig mein Steckenpferd bestieg um “auszureiten”. Seltsam, was so ein Duft oder die Vorfreude auf ein bestimmtes Im-Mund-Gefühl auslösen können.

Zwei Fragen kommen mir dabei allerdings. Wieso kann ich heute an freien Tagen nicht mehr so “versinken” … in Büchern, Musik oder Hobbies? Und Außerdem: Gibt es bei Ihnen auch Gerichte, die bei Ihnen direkt Erinnerungen an Kinderzeiten auslösen? Gute oder schlechte .. an Oma und Opa oder an die Eltern? Gibt es bei Ihnen Gerichte, mit denen man Sie als Kind gequält hat und die Sie deshalb noch immer nicht runterbekommen?
Bitte erzählen Sie mir doch davon – oder anders ausgedrückt: Her mit den Geschichten ! Ich sterbe vor Neugier!

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