Wir sitzen fest

Dingboche 4410m ue.N.N

Aus unsererem einen geplanten Akklimatisierungs- und Ruhetag sind nun unfreiwillig zwei geworden. Es hat die ganze Nacht geschneit und auch waehrend unseres Fruehstuecks nicht aufgehoert. Zwar ist die Sonne inzwischen herausgekommen und der Schnee rutscht in dicken Schollen von unseren Zelten bzw. vom Dach unserer Lodge aber es ist es zu spaet weiter aufzusteigen. Vor allem weil nicht klar ist, ob das Wetter haelt. Auch ist davon auszugehen, dass die Gruppen vor uns auch nicht weiter hoch gehen und die guten Campingplaetze direkt auf dem Gelaende der Lodges nicht frei werden.

Wenn im Aufenthalts- und Speiseraum unserer Lodge nicht gerade Fotolehrstunden abgehalten werden, wird Karten gespielt (seltsamerweise gewinnen fast immer Pemba und Sonam, zwei unserer Sherpas), Erkaeltungstee geschluerft oder Nickerchen gehalten. Am Yak-Dung-gefeuerten Ofen haengen Socken und Innensohlen zum Trocknen.

Seit gestern bin ich auf Diamox. Nach dem ich mich nach einer kurzen Uebungwanderung von 250 Hoehenmetern einmal unvorsichtigerweise etwas zu schnell bewegt habe, hat mir den Rest des Tages der Kopf gedroehnt. Mit den ueblichen Flutungen war dem nicht beizukommen. Auf Anraten von Jon der sehr himalaya-erfahren ist und Jeff unserem mitreisenden Arzt habe ich angefangen Diamox zu nehmen. Dadurch hatte ich die wohl beste Nacht des ganzen Trips, bin jetzt kopfschmerzfrei und herrlich ausgeschlafen – was auf dieser Hoehe nicht selbstverstaendlich ist.

Gestern hat unser Leit-Sherpa Tendi (unser Pacemaker) erfahren, dass sein Bruder in Camp 2 unterhalb des Everest-Gipfels verstorben ist. Daraufhin ist er “mal eben” mit ein paar unserer Sherpas zum Basecamp aufgebrochen um den Toten in sein Heimatdorf zu ueberfuehren. Bis auf ihn, sind alle heute morgen zum Fruehstueck wieder zurueck gewesen. Das Tempo mit dem sich die Jungs hier oben bewegen ist fuer uns Flachlandmenschen nicht von dieser Welt. Ein trauriger Anlass … trotzdem beeindruckend.

So – fuer heute genug Erlebnisschnippsel, ein zusammenhaengender Text wird das sowieso nicht mehr. Ich werde jetzt meine tausendenden vollgeschnupften Taschentuecher dem Yak-Dung-Ofen uebergeben und damit was zum allgemeinen Waermewohlbefinden beitragen. Dann gehts ab ins “Internet-Cafe” …

Bis bald!
P.S. John Fera, einer unserer Teilnehmer, hatte gestern Geburtstag. Unsere Sherpa-Crew hat ihm eine richtige kleine Feier ausgerichtet – samt Geburtstagskuchen mit Kerze, Girlande, Luftballons an den Zelten und im Fruehstuecksraum sowie einem an “gewissen Stellen” anatomisch erstaunlich korrekten Schneemann *g*

Monika Andrae

monika.andrae@gmail.com
2 Comments
  • buessi

    12/05/2009 at 09:50

    Nachtraeglich viele Geburtstagsgruesse an Christian “John” Fera von seinen Kollegen!

  • Monika

    22/05/2009 at 13:14

    Die Gruesse sind angekommen und wurden uebermittelt. 🙂
    Er gruesst zurueck!

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