Aus Angst vor dem Banalen

Mon, Dec 2, 2013

Dies & Das

… oder die Geschichte von Frau Hasenfuß.

Es gibt Dinge, die ich besonders gut kann:

  • Meine Kamera mit mir herumtragen, zum Auge führen und nicht abdrücken.
  • Meine Kamera zum Auge führen, abdrücken und unzufrieden sein.
  • Film um Film belichten und unentwickelt im Dunkeln liegen lassen.

Und warum?

  • Weil jemand  das Bild sicher schon besser gemacht hat (oft hat dieser Jemand einen Namen)
  • Weil es ein Postkartenbild ist
  • Weil es sicher ein banales Motiv ist.

Bei solcher Art lieb gewonnener Eigenheiten droht nicht nur ein ABBLE von unerhörten Ausmaßen (ABBLE = Analog Backlog Beyond Life Expectancy), sondern es geht einem auch der Spaß am allerliebsten Hobby flöten. Der Stapel schlummernder Bilder ist wie ein lästiges Jucken an einer Stelle, die man alleine schlecht erreicht. Je länger sie ruhen, desto mehr juckt es. Je länger sie ruhen, umso weniger mag frau sich die Bilder anderer Leute ansehen.

Wenn’s einen zwischen den Schulterblättern juckt, sucht man sich einen Türrahmen zum dran Schuppern – oder holt die Laborkiste aus dem Keller und fängt an. Und siehe da, es macht Spaß. Bilder banal? Sch…egal.

[Pfeile machen Bildergalerie, Klick macht groß]

out there

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11 Comments For This Post

  1. Iris Says:

    es gab schon immer irgendjemanden der es besser konnte und es wird auch immer jemanden geben, der es besser kann… Na und ;)
    aber mein Bild ist mein Bild (und ich meine nicht die Besitzrechte) . Wenn es mir gefällt, kann es noch so banal sein, dann zeige ich es auch.

  2. Monika Says:

    Seufz. Du hast so recht. Und ich bin echt eine dumme Nuss.

  3. colmans Says:

    Liebe Frau Hasenfuß,

    ich kenne deine Beschreibung nicht gemachter Bilder nur zu gut!

    Es gibt aber noch andere Umstände, bei denen man keine Bilder gemacht hat, obwohl man die Kamera dabei hat.

    Während meiner Schulzeit (10. Klasse) waren wir mal mit der Foto-AG auf einer Einkaufsstraße in Köln zum Fotografieren – es hieß damals noch nicht Streetfotografie.

    Plötzlich sahen wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite wie ein ziviles Polizeiauto auf den Bürgersteig bretterte, die beiden Beamten sprangen aus dem Auto und stürmten über eine Treppe in die U-Bahn. Wenig später kamen die Beamten mit jemandem in Polizeigriff aus der U-Bahnstation, packten ihn ins Auto und fuhren weg.

    Statt mit unseren Kameras Fotos zu machen, standen wir nur staunend da – inklusive unseres Lehrers!

    Ich weiß nicht, ob ich es wirklich schlimm finde, denn die Bilder habe ich gute 30 Jahre später immer noch in meinem Kopf und erinnere mich gerne daran…

    Ein anderes Mal saß ich am Grand Canyon oben auf der Kante und genoss den Ausblick, während mein Kumpel wie wild knipste. Ich hab die Bilder immer noch im Kopf und immer dabei! Ich brauche keine Alibi-Fotos zum Beweis, dass ich dort war…

    Ich finde es ganz wichtig, wenn man Bilder in erster Linie für sich selbst macht, man sich auch mal Ruhe gönnt, die Kamera weglegt und Bilder und Situationen trotzdem genießt!

    LG

    colmans

  4. Michael Says:

    Ich arbeite auch seit einiger Zeit auf meinen ABBLE hin und das obwohl ich meine ZI momentan eher spazieren trage als benutze. Früher oder später muss ich mal ein Filmentwicklungswochenende einplanen.

    Nun noch zu deinen Fotos: Bild Nr. 4 finde ich „ok“, die anderen rangieren im Bereich zwischen „sehr gut“ und „großartig“. Allesamt schöne Kompositionen, manche davon alles andere als banal! :)

  5. Jürgen Says:

    “Es wurde schon alles fotografiert, nur nicht von mir” – meine Version eines Zitates :-)

    Es ist meine Sicht die ich festhalten möchte, egal wie schief, unterbelichtet oder verwackelt das Ergebnis ist, wenn es mir am Ende gefällt ist es das richtige Bild.

    Bild 3 & 5 sind meine Favoriten der Serie, auch wenn sich für mich nicht “perfekt” sind, bei Bild 3 hast Du auf der Linken Seite akkurat mit dem Steg in der Ecke angefangen, auf der rechten Seite fällt man in Watts, mit einer Ausschnittsvergrößerung kann das nicht korrigiert werden, da das Gebäude sonst an den Rand gequetscht wird.

    Die Person die Dir in das 5. Bild gelaufen ist finde ich störend, diese würde ich bei einer Ausbelichtung aus dem Bild nehmen

    Auf jeden Fall sind die Bilder so Gut das ich hier fast eine halbe Stunde vor und zurück blätter

    Gruß
    Jürgen

  6. Hanno Says:

    Sehr geehrte Frau Hasenfuss,

    vielen Dank, dass Sie mir einen weiteren Grund geliefert haben, einige der Filme die bei mir noch rumliegen, nicht zu entwickeln….

    Sag mal Moni, spinnst Du?
    Lass die “banalen” Bilder raus in die Öffentlichkeit… die kannst Du doch nicht vor uns verstecken… und in Kalenderform in Husum ausgestellt, wirst Du einige verkaufen können.

    Gruß

    Hanno

  7. Hendrik Says:

    Da hat sich das panschen am Sonntag doch so richtig gelohnt! Ich beneide ja jeden der Landschaft kann. :-) Ob ich es je schaffe auf ein ABBLE hinzuarbeiten? Wahrscheinlich nicht, denn meistens sind da ja meine Subjekte, welche die Bilder lieber gestern als heute sehen möchten. Aber den “Druck” brauch ich manchmal auch. :-D

  8. Uwe Says:

    Ich halte es mit Ansel Adams: “12 gute Fotos im Jahr sind eine gute Ausbeute.”
    Da kann man viel entspannter an die Sache herangehen. Pro Film gefallen mir vielleicht vier Bilder, zeigbar sind davon noch weniger. Aber ich habe ja noch Zeit und zwei Filme zu entwickeln, da ist sicher noch was dabei. :D
    Ich finde es auch immer wieder interessant, wie das gesehene Licht nachher auf dem Bild herauskommt, zum Teil ist da immer etwas Überraschung dabei. positiv oder negativ. Spannung pur. :D

  9. oli Says:

    Hattest du dazu nicht mal eine MMK gemacht? Von deiner Nepal-Reise in der du fast kein Bild gemacht hast?
    Du brauchst keine Selbstzweifel haben, deine Bilder sind gut. Sehr gut sogar. Und mit den wenigen Bildern hast du in 2013 mehr gute Bilder gemacht als ich! (Familienfotos mal nicht gerechnet). Also. Was willst du Moni?
    Aber ich verstehe dich. Die Muse küsst einen nicht immer, die Arbeit lenkt ab und die sonstigen Verpflichtungen/Hobbies/Themen lassen wenig kreativen Spielraum.

    Ich glaube ab und an steckt man in einem Loch. Einem tiefen Loch. Was da hilft sind Freunde die einem Selbstbewusstsein und Vertrauen schenken. Und eine neue Aufgabe. Damit es sich lohnt. Und es lohnt sich.
    Mach weiter!
    Bitte! ;-)

  10. MatzeK Says:

    Hallo Moni,

    ich wäre froh, wenn ich solche Resultate hätte. Momentan scheitere ich schon viel früher.
    Also lass uns an deinen Werken ruhig häufiger teilhaben. Egal wie banal sie auch seien mögen.

    Grüße aus dem Süden Niedersachsens

  11. Jürgen Says:

    Hallo Moni,

    ich persönlich bin ja schon mal froh überhaupt mal wieder von dir zu hören, man hört und sieht dich so selten… :-)

    Warum? Weil, wenn man dich hört – oder sieht, dann kommen immer wahre Worte rüber… Man erwischt sich dabei und wird gezwungen nachzudenken.

    Dafür erstmal vielen Dank.

    Die banalen Bilder, die da raus kamen, sind mal wieder – typisch Moni – sehr sehr geile Ergebnisse.

    Ich würde mich freuen nächstes Jahr wieder mehr Banalitäten von dir zu sehen.
    Und versuch doch mal den Vorsatz, den sich ein sehr schlauer mensch im Jahr 2013 vorgenommen hat:

    “4. Vergiss das Spielen nicht – fotografiere wie ein Kind
    Wenn man einem Kind eine Kamera in die Hand drückt, wird es ohne viel nachzudenken ( oder um Erlaubnis zu fragen) losknipsen. Es hat keine Angst Fehler zu machen, es bittet nicht um Erlaubnis. Wenn es nicht weiter weiß, fragt es, wie etwas funktioniert. Bilder sind günstig – nicht nur für Digitalfotografen, Fehler bekommst Du geschenkt.
    Mache häufiger absichtlich Fehler und freue Dich daran. Sie führen zu unerwarteten Ergebnissen, sie sind kostenloses und doch kostbares Material an dem man dazulernen kann.”

    Das war nämlich dein Vorsatz für 2013, der mir sehr gut gefallen hat.

    Ich warte also auf die neuen Vorsätze fürs nächste Jahr, vielleicht steht da als Vorsatz ja – mehr banale Bilder – drauf.

    Viele Grüße Jürgen

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