Noch mehr Platz für Monster

Wie Chris bereits vor ein paar Tagen bereits bloggte, die spannenden Bilder findet man sehr häufig in extremen Lichtsituationen. Kombiniert man die dann auch noch mit “in die Ecke getriebenen” sprich tüchtig gepushten Filmen, kann man sich so richtig in Kontrasten suhlen.

Das unten gezeigte Bild entstand am frühen Nachmittag, in hartem Mittagslicht  auf einem meiner letzten Rollei R3, belichtet auf ISO 1600.
Jedermann Sache ist das sicher nicht. Mir aber gefällt, wie der Gegensatz von tiefschwarzen zu beinahe weißen Flächen das grafische Moment der Bildaufteilung  zusätzlich unterstreicht.

Früher habe ich mir immer vorgestellt, dass unter meinem Bett ein Krokodil lebt, was beim Zubettgehen nach meinen Knöcheln schnappt. Deshalb bin ich abends – aber nur dann – immer mit einem großen Hopser ins Bett gesprungen. Heute wohnen unter meinem Bett höchstens noch Wollmäuse … aber hinter der Linie 7, da ist noch viel Platz für lichtscheues Getier.

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Film: Rollei R3 400 @ ISO 1600, entwickelt in Spürsinn MixTour

 

Wer die Extreme verschiedener Lichtsituationen hinter der Kamera und auch im Labor ausloten möchte – vom  15.-17. Juli 2011 halten wir in Braunschweig einen Doppelworkshop gemeinsam mit Spürsinn, zu den Themen Fotografie am Ende des Lichts und Entwicklung am Ende des Lichts. Wie immer ganz analog und mit viel Raum für Spielfreude.

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Für große und für kleine Kerle

… gibt es im Straßenbahnmuseum jede Menge Spielzeug zu sehen. Manche der Gefährte fahren noch (man kann mit oder selbst fahren), andere stehen  still in einer Ecke und warten auf Besuch. So wie die Nummer 17.

 

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Film: Rollei R3 400 @ ISO 1600, entwickelt in Spürsinn MixTour

 

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Kein Bahnübergang

Auf der (Google-)Suche nach alten Kali-Bergwerken in meiner Gegend bin ich vor einiger Zeit über die Webseite des Straßenbahnmuseums gestolpert. Letzteres ist nämlich auf dem Gelände der ehemaligen Kaligrube Hohenfels untergekommen.

Chris und mir schien das Gelände gut geeignet, um auf einem Pfingstspaziergang die Kameras auszuführen. Wir erwarteten einigen Andrang – schließlich ist an sonnigen Feiertagen meist Kind und Kegel samt familiärem Anhang auf Achse. Statt dessen war es eher still, was uns Zeit  ließ, mit einem der Herren vom Museumsverein ein Schwätzchen zu halten. Er bewunderte vor allem Chris Großformat-Kamera, die ja immer für ein bisschen Gesprächsstoff gut ist. Kontaktscheue Menschen sollten von Kameras auf unwiderstehlich langen Beinen und schwarzem Schleier Abstand nehmen.

Der Charme des Geländes kam hauptsächlich durch die vielen alten Dinge und deren Verweis auf Vergangenes zustande. Manches ist kurios, anderes  – wie eine Zugzielanzeige mit Verweis auf die Zonengrenze – regt zum Nachdenken an und das ein oder andere Detail hat etwas Verwunschenes an sich. So wie das Schild vom nicht mehr vorhandenen Bahnübergang.

 

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Film: Rollei R3 400 @ ISO 1600, entwickelt in Spürsinn MixTour

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Abenteuer out of the Box

Frisch vom Analogvirus befallen, haben Chris und ich gestern unsere Boxen ausgeführt. Beim letzten Ausflug hatte meine Brownie schon nach dem ersten Bild den Transport verweigert. Ein bisschen Gefummel im Wechselsack  und eine Opfergabe an die  Boxen-Göttin (drei Bilder), machen den Drehknopf für den Filmtransport aber wieder einigermaßen willig.

Später – nach dem Entladen – sehen wir , dass die Spulen des 120er Rollfilm einen Tick zu breit für die Brownie sind. Die Filmkante hat an einigen Stellen unschöne Dellen bekommen. Gott sei Dank habe ich noch zwei Original 620er Spulen und so werde ich mir demnächst auch noch das Umspulen von 120er auf 620er Spulen beibringen. (Wieder was dazu gelernt, Lektion 1)

Vor dem Entladen kommt aber der dem Silvester-Menü vorgelagerte aperitive Spaziergang auf dem wir unsere Neuerwerbungen Gassi führen. Mir bleiben jetzt noch genau 5 Bilder übrig, um Fotobeute nach Hause zu tragen.

Die Box ist ein Leichtgewicht, was sich für mich ungewohnt anfühlt. Normalerweise bin ich mit einigen Kilo Spiegelreflexequipment unterwegs – selbst, wenn ich nur Body und Lieblingslinse mitnehme. Der fehlende Zoom führt zu schlammigen Schuhen, denn wenn es im Sucher noch nicht gescheit aussieht, muss ich halt in den Straßengraben oder ins Feld stiefeln. Wenigstens das wundert mich nicht, meine Festbrennweiten sind mir auch im digitalen Leben lieb und teuer.

Das Wetter ist grau und matschig und der Tag ist auch um drei Uhr nachmittags nicht wirklich hell. Der Spaziergang führt uns über die Felder nahe Horb am Neckar – richtig spannende Motive sind nicht zu erwarten. Auf der Liste stehen genau eine alte Scheune, und zwei bis drei Baumgruppen. Der Rest ist Industriegebiet und Silo-Landschaft. Bitte sehr: das ist’s was heraus kam.

Baum aus der Box

Baum aus der Box

Scheune in der Box

Scheune in der Box

Auch beim Entladen gibt sich die Brownie verklemmt. Der Filmspulknopf will weder vor noch zurück, noch raus. Also ab mit der Kamera in den Wechselsack und fröhlich herumgefummelt. Mir will sie nicht gehorchen und ich habe Angst davor, an irgendeiner Stelle zuviel Kraft einzusetzen. Also muss Chris ran … er überredet das störrische Gerät und befreit den Film. Tja .. das Ding ist ganz klar weiblich. (Wieder was dazu gelernt, Lektion 2)

Immerhin, das Einspulen des Films in die Spule fluppt auf Anhieb – und das nach gefühlten Äonen Spulen-Abstinenz. Ich bin erleichtert und doch nicht so eine Grobmotorikerin wie befürchtet. (Wieder was dazu gelernt, Lektion 3)

Nach einem Blick in die Datenblätter von Film und  Entwickler sowie einem kurzen Telefonat mit den Spürsinnlern wurde der geladene Rollei R3 ein paar Minuten vorgewässert und in einer Standentwicklung (1+25, 40 Minuten, 20°C, ab und zu mal anschubsen) entwickelt und ilfordmäßig vergewässert. Ein erster Blick auf die Negative und ich bin noch mal erleichtert. Sieht aus als wäre Zeichnung in den Lichtern UND in den Tiefen. Dat Glück is mit die Dummen. Sagte schon meine Oma. Trocknen lassen, zwischendurch Reste-Risotto futtern, dann ist es Zeit zu scannen und anschließend gespannt über Photoshop zu brüten. So ein bisschen kommt bei mir Goldgräberstimmung auf. Doch gar nicht sooo schlecht das Ergebnis.

Einer Digital-Tante wie mir stellt sich beim Anblick der Bilder natürlich die Frage: wieviel kann/darf ich daran optimieren, bevor der analoge Charakter oder das so angenehm unperfekte Erscheinungsbild der Box-Aufnahmen verloren geht?  Im ersten Schritt habe ich es mal bei globalen Tonwert- sowie Kontrastbearbeitungen sowie ein bisschen partiellem Nachbelichten belassen. Ich muss mich erst herantasten und ein Gefühl für das Material entwickeln.

Tja … und von was die (seltsam periodisch auftretenden) elliptischen dunklen Flecken bedeuten, die über jedes meiner Negative tanzen, weiß ich noch nicht. Irgendwas habe ich wohl doch falsch gemacht. Sei’s drum. Ich freue mich schon auf den nächsten Streifzug mit den alten Schätzchen.

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