Mal was für’s Kind im Blogger

Dieser Text entstand vor einigen Jahren während eines Schreibtreffens mit Kommillitonen und unter dem Einfluß von einigen Gläsern Gerstenkaltschale. Albernheiten sind also zu entschuldigen. Fehlende Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

“Männer sind behaart und haben Muskeln.”Diesen Spruch gab Gustavs Oma immer zum Besten, wenn sie abends wieder einmal zu tief in ihr Gläschen Kräuterlikör geblickt hatte. Sie warf dann immer einen verträumten Blick auf das Photo meines Großvaters, welches über dem Plüschsofa an der Wand hing. Gustav und Lene rollten sich dann in ihren Sesseln zusammen und warteten auf die Geschichte, die nun folgen würde. Sie hatten sie schon so oft gehört. Aber da auf dem Tisch immer eine Schachtel mit Keksen stand, wurde es nie langweilig.

Damals als ich Euren Großvater kennenlernte, hatte ich mich gerade mit einem Trupp Zigeuner angefreundet und war ein Stück weit mit ihnen in die Welt gezogen. Opa war gelernter Planwagenschreiner aber er nagelte meist nur die geblümten Stoffbahnen, die sich bei der Fahrt über Stock und Stein gelöst hatten wieder fest. Ihn plagte immer ein furchtbares Fernweh und obwohl er schon so viel herumzog dachte er nur an andere ferne Länder.

Während der Tage in denen wir uns der Küste näherten, wurde er immer unruhiger und unruhiger. Abends am Lagerfeuer fragte er mich dann, ob ich mit ihm ein Boot besteigen und wegsegeln wolle. Ach, ich wäre überall mit ihm hingegangen! Wir luden also seinen wunderschönen Wagen auf ein Schiff und segelten los. Angst hatte ich nie. Er war ja soo stark! Als wir am Abend des zweiten Tages auf eine Insel zusteuerten, beschlossen wir an Land zu gehen. Wir waren beide ein bißchen seekrank. Am Strand gelandet, setzte ich mich in den Sand während Großvater ein Feuer machte und uns eine Pfanne voll Fischstäbchen briet. Die dufteten unwiderstehlich und hüpften auch ein bißchen in der Pfanne herum. Wir schaute ihnen dabei zu und es lief uns das Wasser im Mund zusammen.

Plötzlich fuhr eine kleine schwarze Pfote in die Pfanne. Vor uns saß ein Kater und hangelte hungrig nach den zuckenden Fischstäbchen. Ich fand ihn richtig süß, doch Euer Großvater schrie laut auf und fiel wie ein nasser Sack in sich zusammen. Ich schaute verständnislos drein. Dieser starke Mann, der doch sonst vor nichts Angst hatte fürchtete sich vor einer Katze? Da sprach mich der Kater plötzlich an. „Wundere Dich nicht”, sagte er. „Ich glaube Dein Freund schielt. Auf solche Leute habe ich immer eine besondere Wirkung. Ich bin nämlich ein Scheinlöwe.”
Scheinlöwe! Das war ja wohl das Dümmste, was ich in meinem Leben je gehört hatte. Doch ich versuchte nun, meine Nasenspitze zu betrachten während ich den Kopf in seine Richtung wandte. Tatsächlich, auch ich zuckte zusammen. Vor mir schien ein riesengroßer Löwe mit einer zotteligen schwarzen Mähne zu sitzen und Euer Großvater wirkte aus dieser Perspektive wie ein ziemlich dünnes Hemd. Na sowas! Als ich wieder geradeaus gucken konnte bemerkte ich, daß der Kater bitterlich weinte. „Keiner mag mich”, schluchzte er und sprang auf meinen Schoß. Ich kraulte ihm sanft den Kopf, wobei Großvater erneut in Ohnmacht fiel. „Seit Ewigkeiten sitze ich auf dieser Insel fest, weil alle so große Angst vor mir haben.” Ich beschloß ihn mitzunehmen, weil mir das Am-Kopf-Kraulen allmählich Spaß machte und er so nett dabei schnurrte (das konnte Euer Großvater nämlich nicht). Mein schielender Lebensgefährte wurde in die Tatsachen eingeweiht und ich versprach ihm, daß ich ihm eine Brille kaufen würde. Wir nahmen Leo Löwenherz – wie wir ihn tauften -mit auf unser Schiff und ließen ihn in unserem Wagen wohnen, wo er alsbald anfing, Gedichte zu schreiben. Ich hatte mir geschworen auch nie mehr zu schielen, Euer Großvater gefiel mir doch viel besser als Mann mit Format.

Wir segelten nun zu dritt über die Ozeane, die uns unter den Bug kamen und gingen oft an Land, um uns an den Strand zu legen und in der Sonne zu brutzeln. Leo trug immer einen Schirm mit sich, um sich nicht das Fell zu versengen. Er entwickelte sich langsam zu einer Mimose. Gott sei Dank war Euer Großvater wieder normal und leistete sich keine weiteren Schwächeanfälle. Er träumte nun davon, mit einer Dressurnummer für Leo im Zirkus aufzutreten. Alle Zuschauer sollten spezielle Schielbrillen bekommen damit sie ihn und seine Tapferkeit bewundern konnten. Ich ließ ihn träumen. So wie ich es auch tat….. Männer sind behaart und haben Muskeln. Und dürre Heringe gehören aller höchstens in die Pfanne!

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Stadtwanderin

Ich bin durch die Stadt gegangen
Vorbei an
Straßenmusik
Im Regen
Hausgemacht

Ich bin durch die Stadt gegangen
Vorbei am
Wartesaal
Hier keinen Abfall deponieren
Wunderbar

Ich bin durch die Stadt gegangen
Vorbei an
Münstergasse 1-3
Bitte klingeln
Wir öffnen gern

Ich bin durch die Stadt gegangen
Vorbei an
An- und Verkauf
Von Toleranz und Lebensfreude
Linienverkehr gestattet

Ich bin durch die Stadt gegangen
Vorbei am
Eingang
Im Regen
Allein

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… bis siehe Bodenprägung

Das Haltbarkeitsdatum dieses Sommers ist hier im Norden schon längst abgelaufen. Meine Erinnerungen an warme Luft und kaltes Wasser sind daher ausgelagert zu mindestens haltbar 0215. (Ein großes Dankeschön geht an Lisa Neun für die schönen Illustrationen!)

Die Strömung beginnt, kaum merklich an mir zu ziehen. Jetzt kommt der Moment, an dem ich mich einfach fallen lassen müsste. Am besten gleich kopfüber hinein. Mich einfach mitreißen lassen, immer weiter, immer vorwärts. Dazu bin ich schließlich hier. Und es ist heiß. Wenn nicht jetzt, wann dann? [mehr …]

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Fluch dich frei, Spaß dabei

Manchmal muß man einfach Dampf ablassen: Weil manche Mitmenschen einem den letzten Nerv rauben. Weil das Butterbrot mit der Marmeladenseite auf das helle Sofa klatscht oder weil schon das dritte Handy aus der Gesäßtasche der Jeans sanft in die – womöglich noch gefüllte – Kloschüssel gleitet.
Ein Freund von mir wirft in solchen Momenten der Anspannung mit Gegenständen um sich (z.B. mit gespitzten Bleistiften), andere – so wie ich – fluchen oder schimpfen lieber. Gerne auch laut. Im einfachsten Fall entläd sich dann ein mehr oder minder aussprachefeuchtes «Scheiße!».
So weit so gut, so wirkungsvoll. «Scheiße!» hilft zwar kurzzeitig, ist aber nur begrenzt originell. Simpel und leicht zu erlernen – aber eben für Anfänger. Pflichtprogramm.
Kenner der Materie, sollten sich mit sowas nicht zufrieden geben, ein bisschen länger und farbiger darf es schon sein. «Zickzackscheißende Bambusratte» ist phantasievoller aber höchstens Kurzprogramm. Die Kür beginnt, wenn man ohne lange nachzudenken sog. “mehrstöckige Flüche” (Ausdruck gelesen bei R. Schami) fabrizieren kann. Besonders fantasievoll sollen ja die orientalischen Flüche und Schimpfwörter sein. Leider habe ich gerade kein authentisches Zitat parat … aber auf unseren Erfahrungshorizont bezogen, könnte das sich ungefähr so anhören: «Du flohverseuchter Hund einer unwissenden Müllhalde, gepriesen sei Allah, dass ich Dein Blog nicht mal lesen muss, wenn …» usw. usw. Je länger, je lieber.

Seit heute weiß ich, dass es sogar das Berufsbild des Fluchforschers gibt. In einem Interview mit einem solchen [NZZ Folio 10/96] habe ich ein paar besonders saftige Verwünschungen gelesen

  • «O Gott, steck deinen herrlichen Arsch aus den Wolken und scheiss auf diese Arschlöcher.»
  • «Alle Zähne sollen dir ausfallen, bis auf einen, damit du Zahnweh haben kannst.»

Außerdem steht da, das Fluchen gesund ist. Vielleicht sollte ich, statt heute abend zu joggen – lieber eine Trainingseinheit “Fluchen & Schimpfen” einlegen. Das kommt dann schließlich nicht nur mir zugute. 😉

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