Auf der Straße

Tue, Dec 16, 2008

0 Comments

Auf der Straße

Vor ein paar Tagen habe ich es schon getwittert: im Smashing Magazine ist mit “The Beauty of Streetphotography” ein sehr lesens- aber vor allem anschauenswerter Artikel erschienen. Was mir an ihm besonders gefällt, ist die große Vielfalt der dort gezeigten Fotografien – nicht nur der klassische s/w Candidshot, sondern auch viele ausdrucksstarke Farbaufnahmen sind dabei.  Und übrigens …

” .. we didn’t feature Garry Winogrand, Bruce Gilden, Martin Parr, Henri Cartier-Bresson and other famous photographers — their works deserve a single post.” (more…)

Continue reading...

1000 Meter Männer

Sun, Dec 14, 2008

0 Comments

1000 Meter Männer

Es ist Wochenende.  Und Wochenende bedeutet in erster Linie Relaxen – in zweiter Linie Kilometer machen. Da der Doc noch keine Freigabe für’s echte Sporteln gegeben hat (jaja, die Bronchien), geht es in etwas gemäßigterem Tempo in den Wald. Schließlich muss Chris seine neuen Wanderschuhe einlaufen und meinen schadet es auch nicht, wenn sie mal wieder bewegt werden.

Unsere Route führt uns zu Beginn entlang eines Trimmpfades. Diverse Schilder, die uns auffordern Rumpfbeugen, Froschsprünge, Liegestützen oder Klimmzüge zu machen, ignorieren wir geflissentlich. Ich habe dabei auch nicht im geringsten ein schlechtes Gewissen. Ein Schild am Wegrand lässt mich aber ein- bis zweimal stutzen. Beim dritten Mal stutzen zücke ich mein iPhone – hier das Beweisbild:

1000m Männer

1000m Männer

Was soll ich mit tausend Metern Männer? (mir reicht einer völlig) … und wie muss ich diese Übung im Detail ausführen? Nach jedem Mann den Rumpf beugen (mit Nachwippen?) , ein paar Froschsprünge machen (Sportler 10, Nichtsportler 15 Wiederholungen) oder Slalom laufen? Wegen unklarer Aufgabenbeschreibung – z.B. waren weder die Übungsdauer noch die Anzahl verbrauchter Kalorien gelistet – habe ich von der Durchführung der Übung abgesehen.

Continue reading...

Frühe Vorsätze

Mon, Dec 1, 2008

0 Comments

Frühe Vorsätze

Als ich zum letzten Mal einigermaßen ausführlich etwas niedergeschrieben habe, war ich gerade aus dem Urlaub zurück. Jetzt melde ich mich einerseits wieder – und andererseits die nächsten Reisevorbereitungen.

Im Mai 2009 will ich hoch hinaus und werde – so nichts dazwischen kommt – mein müdes Gebein nach Nepal auf eine Höhe von 5360 Meter ins südliche Mount Everest Basecamp schleppen. Naturfaul geboren würde ich das natürlich kaum machen, wenn es nicht (wenigstens am Rande) etwas mit Fotografie zu tun hätte. Und das hat es. Das Ganze ist nämlich über den Trek hinaus auch noch ein Foto- und Videoworkshop. Einer der beiden Workshopleiter ist zufällig meine bessere Hälfte und so kommt eins zum anderen.

Noch ist es allerdings ein gutes Stück Weg, bis ich mich überhaupt auf  die Socken machen kann. Neben jeder Menge zusätzlichem Kram, den man auf einem knapp vier wöchigen Trekking so braucht, muss ich mir auch wieder ein gerüttelt Maß an Fitness zulegen. Im Moment bin ich davon noch weit entfernt – ich nehme so ziemlich jeden Infekt mit, der am Wegrand liegt, was mein Sportprogramm zur Ausnahme statt zur Regel degradiert. Solange die Bronchien noch pfeifen tausche ich aushilfsweise Aufzug gegen Treppe und mache lange Spaziergänge so oft es nur geht.

Meine Weihnachtswunschliste enthält diesesmal kaum Fotoequipment sondern so Sachen wie  Funktionsunterwäsche, Trinkwasser-Reinigungstabletten, Stirnlampe, neue Teleskopstöcke, Expeditionsreisetaschen, Schlafsack und jede Menge Groß- und Kleinkram. Das Wichtigste an Weihnachten ist dieses Jahr aber der 14-tägige Wander-Faulenz-Fotografier- & Schlafurlaub in der Schweiz. Ich drück mir mal die Daumen, dass sich mein Immunsystem dort so gut erholt, dass ich im neuen Jahr auch wieder mit Joggen und Training im Fitnessstudio anfangen kann.

Wundern Sie sich also nicht, wenn es hier auf dem Blog neben den üblichen blutrünstigen Geschichten von Unfällen mit Hieb- und Stichwaffen Schneidewerkzeugen oder Tiefkühlfisch, demnächst häufiger prä-nepalesische Klagen über Muskelkater, Impfbeulen oder Pinkeltrichter finden. Blogs sind bekanntlich geduldig und irgendwo muss ich meinen Kummer ja loswerden. Bis dahin, gehaben Sie sich wohl! …

Trainingspegel der letzten drei Tage:
——————————————-

Samstag 29.11: Spaziergang, 7,5 km
Sonntag 30.11: Spaziergang, 9 km
Montag 01.12: Treppensteigen, insgesamt 12 Etagen

Continue reading...

Im Sucher

Sat, Nov 1, 2008

0 Comments

Im Sucher

 Warum ich fotografiere? Bei der Frage gerate ich ins Grübeln. Es muss doch auszudrücken sein, was mich umtreibt, was mich an diesem Medium so fasziniert. Spontan fällt mir dazu ein: „Weil ich nicht zeichnen kann!“ – genauso wahr ist aber auch: „Weil ich zu faul bin, alle Bilder, die ich sehe, zu be-schreiben!“.

Meine erste „ordentliche“ Kamera habe ich Anfang der 90er Jahre erstanden. Vorher hatte ich Tonnen von Büchern über Fotografie aus der Bibliothek ausgeliehen oder gekauft und anschließend leergelesen.

Noch vor dem ersten eigenen Bild hatten sich viel Theorie und noch mehr visuelle Eindrücke in meinen grauen Zellen eingenistet. Die ersten eigenen Ergebnisse gefielen. Nicht nur mir sondern auch anderen. Trotzdem – das war alles zu weit weg von den Bildern, die mir in Ausstellungen und Büchern so gefallen hatten.

Mehr Im Sucher auf photoappar.at, dem Weblog von Ralf-Jürgen Stilz über “künstlerische Fotografie, Bildbände, Hardwarefetischismus und das Leben in digitalen Foto-Communities”.

Continue reading...

Fischgeschick

Sun, Jan 20, 2008

0 Comments

Frau caliente liebt es, von meinen Missgeschicken zu lesen. Besonders amüsiert es sie, wenn Blut fließt. Extra für Frau caliente gestehe ich hier und jetzt, dass mich heute mit einem Tiefkühlfisch angelegt habe. Mit einem Rotbarsch, um es präzise auszudrücken.

Ich stehe meinem Tiefkühlschrank. Voller Elan (bzw. Hunger) mache ich mit Schwung und einem kleinen Messer (die Schere war abgängig) einen Schnitt in die Verpackung. Durch die Öffnung angle ich mit dem Finger nach einem Filet. Die Dinger pappen irgendwie aneinander und so ziehe ich statt einem, gleich drei aus der Tüte. Zwei davon folgen der Schwerkraft und schlagen mit der Kante auf meinem rechten nackten Fuß auf. Probieren Sie es ruhig mal aus – es ist kein schönes Gefühl, wenn einem gefrorener Fisch aus ca. 1,70 Metern Höhe auf den Fuß fällt. In einem Anflug kalter Rache (bzw. Hunger) mache ich mich nun daran, dem Fisch ein Gemüsebett zu schnippeln, auf dem er nachher mit etwas Wein, Kreuzkümmel und ein bisschen Butter garen soll. Natürlich ergreift mein Messer für den Fisch Partei und dringt in meinen Daumen ein. Es blutet (bitte sehr, Frau caliente). Weil ich nicht gewillt bin, den Fisch mit Blut, statt Wein anzugießen, wickle ich ein Tuch um den Daumen und schneide weiter. Was interessiert mich so ein Schnitt!
Der Rotbarsch wandert also wie geplant in den Backofen und nach 25 Minuten klingelt brav der Wecker. Eine Prüfung zeigt, dass das Gemüsebett noch ein bisschen braucht und so setze ich mich wieder vor meinen Computer um weiter Bilder zu bearbeiten. Nur kurz, nur fünf Minuten. Aus fünf Minuten werden fünfzehn. Das Gemüse hat ordentlich Farbe gezogen (… ähem, ist schwarz eine Farbe?) und der Fisch auch. So ein Reinfall. Gut dass noch Wein übrig ist, ich brauche dringend einen Schluck. Meinen Sie eine Klage gegen flickr und eine Softwarefirma wegen Mundraub hätten Aussicht auf Erfolg?

Continue reading...

Kinder-Essen

Sun, Jan 21, 2007

0 Comments

Es ist Sonntag. Sonntag vormittag – und ich befinde mich gerade daheim. Daheim meint, im Haus meiner Eltern. Im Lauf der letzten Woche habe ich entschieden, dass ein bisschen Heimatluft meinem Gemüt vielleicht ganz gut tun würde. Darum habe ich mich am Freitag zum Feierabend trotz Kyrill oder seinem Nachfolger für 3 Stunden auf die Autobahn begeben und bin gen Rheinland gerollt.

So ein Wochenende zu Hause entbindet mich von dem Zwang selbiges mit Einkaufen, Putzen oder Ablage von div. Schreiben zu verbringen und lockt daher mit scheinbar mehr faul verbrachter Freizeit. Andererseits endet es immer schon früh, nämlich gegen 17:30 Uhr am Sonntag, wenn ich mich wiederum in mein mausgraues Auto setze um rechtzeitig zum Abendprogramm wieder in meiner norddeutschen Wahlheimat einzutreffen.
Wochenenden, die früh so enden, pflegen bei mir gleich Sonntags nach dem Aufstehen mit einer kleinen Wochenend-End-Depression zu beginnen, weshalb ich meist eine Zeit brauche, um zu Normalform aufzulaufen. So auch heute. Inzwischen bin ich allerdings schon ein bisschen besänftigt. Ich habe lange heiß geduscht, was bei mir ein Allerheilmittel darstellt – so wie bei anderen eine Tasse Tee.

Jetzt zieht ein Duft von Mittagessen durch das Haus, der mich mit leiser Nostalgie erfüllt. Heute gibt es ein echtes Kinderessen. Hühnerragout mit Reis und Erbsen-und-Möhren-Gemüse. Dazu – wie immer – selbst gemachten Apfelkompott in der kurz-vor- Mus-Konsistenz. Obwohl sicherlich nicht der Haute-Cuisine angehörend, gehört das doch zu den Speisen, die ich immer schon gemocht habe und auch heute noch gerne esse. Da kommen Erinnerungen auf an eine Zeit, in der ich noch in der Lage war, vollständig in einer Welt zu versinken, die bevölkert war von Sam Hawkins, Winnetou und Old Shatterhand, durch die quietschend meine Lego-Eisenbahn fuhr und in der ich regelmäßig mein Steckenpferd bestieg um “auszureiten”. Seltsam, was so ein Duft oder die Vorfreude auf ein bestimmtes Im-Mund-Gefühl auslösen können.

Zwei Fragen kommen mir dabei allerdings. Wieso kann ich heute an freien Tagen nicht mehr so “versinken” … in Büchern, Musik oder Hobbies? Und Außerdem: Gibt es bei Ihnen auch Gerichte, die bei Ihnen direkt Erinnerungen an Kinderzeiten auslösen? Gute oder schlechte .. an Oma und Opa oder an die Eltern? Gibt es bei Ihnen Gerichte, mit denen man Sie als Kind gequält hat und die Sie deshalb noch immer nicht runterbekommen?
Bitte erzählen Sie mir doch davon – oder anders ausgedrückt: Her mit den Geschichten ! Ich sterbe vor Neugier!

Continue reading...

Angriff der Killernagelschere

Wed, Jan 17, 2007

0 Comments

Es ist wieder passiert. Blut ist geflossen.
Wer mich kennt weiß, dass mir ein ums andere Mal ein Mißgeschick mit scharfen oder spitzen Dingen passiert. Das liegt jedoch mitnichten daran, dass ich mich ungeschickt anstelle. Vielmehr ist ein gewisses Eigenleben die Ursache, das der scheinbar so unbelebten Materie, die mit mir zusammenwohnt, innewohnt.

Gestern abend setzte eine eigentlich sicher auf der Ablage im Bad schlummernde Nagelschere unvermittelt zum Sink- nein Sturzflug an. Der Flug war kurz, die Landung sauber. Sie (die Schere) steckte Spitze vorweg in meinem großen Zeh. Der kleine Kratzer entwickelte ein großes Geltungsbewußtsein und tropfte ungeheuerlich. So bin ich mit einem in Klopapier gewickelten großen Zeh durch die Wohnung gehüpft, auf der Suche nach Pflaster, welches sich natürlich rechtzeitig vor mir in Sicherheit gebracht hatte. Schließlich habe ich es in einer Box in der Küche ausfindig gemacht. Hierhin muss es sich nach dem Angriff des Kochmessers und der darauf folgenden Verarztung meines Zeigefingers, zurückgezogen haben.

Auch gegen mein Bett und mein Sofa bin ich machtlos. Beide fallen mich recht regelmäßig an, klammern sich an mich und schläfern mich ein. Vielleicht ist gegen mich eine Meuterei im Gange.
Auf der Suche nach neutral gestimmter Materie, habe ich heute das Nachhausekommen so weit es ging hinausgezögert und einen Umweg über die Sauna gemacht. Allerdings drängt sich mir nach dem heutigen Besuch der Verdacht auf, dass die Liegen im Ruhebereich eine unheilvolle Allianz eingegangen sein könnten.

Continue reading...

Nur geträumt

Thu, Dec 28, 2006

0 Comments

Ich betrete ein großes altes Haus. Es ist leer und dunkel. Unbewohnt. Fensterspalte lassen nur wenig Licht hinein. Es gibt keine Zimmer, nur Hallen und Treppen. Unendlich viele Treppen. Kaum eingetreten, weiß ich bereits nicht mehr, wie ich wieder hinausfinde. Die Tür, durch die ich hineingekommen bin, führt nun in ein andere Halle aber nicht mehr hinaus.

Ich beginne, auf der Suche nach einem Ausgang die Treppen hinaufzusteigen. Ich steige hoch und höher, Stufe um Stufe über eine ausgetretene, staubig-graue Steintreppe. Die Stiegen scheinen endlos. Schon bald beschleunigt sich der Schlag meines Herzens, es pumpt vor Anstrengung und schlägt hart gegen meine Brust. Unten schlägt eine Tür zu, ich höre Schritte. Außer mir ist noch jemand hier.

Ich gehe schneller, mit einem klammen Gefühl im Bauch. Die Schritte scheinen mir zu folgen und ich beginne, Haken zu schlagen. Biege ab, durch eine Tür zur Linken, haste eine hölzerne Treppe hinauf. Treffe auf eine weitere Tür, gehe hindurch und laufe durch ein ovales steinernes Treppenhaus weiter nach oben. Die Schritte sind immer noch hinter mir her – ich kann sie nun auf der Holztreppe hören. Die Treppe unter meinen Füßen wird immer schmaler und wendelt sich enger und enger nach oben. Meine Schritte hallen durch das Haus. Ich drücke mich im Laufen an die äußere Wand, um von unten nicht zu sehen zu sein. Durch das Treppenauge fällt staubgefiltert eine schmale Lichtsäule. Oben muss ein zentrales Fenster sein. Ein Ausgang?

Die Stufen in diesem Turm sind inzwischen so schmal, dass ich nur noch alleine darauf Platz habe. Immer höher klettere ich, immer herum um die Mitte. Ich habe aufgehört die Umdrehungen zu zählen, als vor mir eine eisenbeschlagene Tür auftaucht. Über der Tür ist ein ovales Oberlicht, durch dass ein Stückchen Himmel zu sehen ist. Hier muss ein Ausgang sein.

Die Klinke lässt sich leicht herunter drücken, was ich nicht erwartet habe. Ein kühler Windstoß weht mir entgegen, als ich hinaus auf eine Turmplattform trete. Ein hüfthohes steinernes Geländer verläuft entlang der Kante. Unter mir breitet sich die große Stadt aus. Die Sicht ist gut, ich kann weit den Fluß hinabsehen, bis zur Hügelkette am Horizont. In der Dämmerung glitzern erste Lichter entlang der großen Straßen. Ich lehne mich an das Geländer und atme tief durch. Den Pullover enger um mich ziehend, blicke ich mich um. Plötzlich bin ich sehr ruhig. Irgendetwas gibt mir das Gefühl angekommen zu sein. Wer auch immer mir gefolgt ist, er ist willkommen. Willkommen, diesen Ausblick mit mir zu teilen.

Continue reading...

Begrenzt haltbar

Fri, Dec 15, 2006

0 Comments

Für die Illustration der mindestens-haltbar-Ausgabe
Idole. Ich wär’ so gern so toll wie Du …
(http://www.mindestenshaltbar.net/0220)
durfte ich eine Bildspende abgeben.
Ich fühle mich sehr geehrt.

black rust beneath yellow finish light cheers down on my knees
timbered house Staubbachfall immortelle very blue eyes
pretty sixpack anime news
linen music dream en miniature look at me
idolize me this is not old shatterhand praying six

Continue reading...

Mal was für’s Kind im Blogger

Thu, Oct 26, 2006

0 Comments

Dieser Text entstand vor einigen Jahren während eines Schreibtreffens mit Kommillitonen und unter dem Einfluß von einigen Gläsern Gerstenkaltschale. Albernheiten sind also zu entschuldigen. Fehlende Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

“Männer sind behaart und haben Muskeln.”Diesen Spruch gab Gustavs Oma immer zum Besten, wenn sie abends wieder einmal zu tief in ihr Gläschen Kräuterlikör geblickt hatte. Sie warf dann immer einen verträumten Blick auf das Photo meines Großvaters, welches über dem Plüschsofa an der Wand hing. Gustav und Lene rollten sich dann in ihren Sesseln zusammen und warteten auf die Geschichte, die nun folgen würde. Sie hatten sie schon so oft gehört. Aber da auf dem Tisch immer eine Schachtel mit Keksen stand, wurde es nie langweilig.

Damals als ich Euren Großvater kennenlernte, hatte ich mich gerade mit einem Trupp Zigeuner angefreundet und war ein Stück weit mit ihnen in die Welt gezogen. Opa war gelernter Planwagenschreiner aber er nagelte meist nur die geblümten Stoffbahnen, die sich bei der Fahrt über Stock und Stein gelöst hatten wieder fest. Ihn plagte immer ein furchtbares Fernweh und obwohl er schon so viel herumzog dachte er nur an andere ferne Länder.

Während der Tage in denen wir uns der Küste näherten, wurde er immer unruhiger und unruhiger. Abends am Lagerfeuer fragte er mich dann, ob ich mit ihm ein Boot besteigen und wegsegeln wolle. Ach, ich wäre überall mit ihm hingegangen! Wir luden also seinen wunderschönen Wagen auf ein Schiff und segelten los. Angst hatte ich nie. Er war ja soo stark! Als wir am Abend des zweiten Tages auf eine Insel zusteuerten, beschlossen wir an Land zu gehen. Wir waren beide ein bißchen seekrank. Am Strand gelandet, setzte ich mich in den Sand während Großvater ein Feuer machte und uns eine Pfanne voll Fischstäbchen briet. Die dufteten unwiderstehlich und hüpften auch ein bißchen in der Pfanne herum. Wir schaute ihnen dabei zu und es lief uns das Wasser im Mund zusammen.

Plötzlich fuhr eine kleine schwarze Pfote in die Pfanne. Vor uns saß ein Kater und hangelte hungrig nach den zuckenden Fischstäbchen. Ich fand ihn richtig süß, doch Euer Großvater schrie laut auf und fiel wie ein nasser Sack in sich zusammen. Ich schaute verständnislos drein. Dieser starke Mann, der doch sonst vor nichts Angst hatte fürchtete sich vor einer Katze? Da sprach mich der Kater plötzlich an. „Wundere Dich nicht”, sagte er. „Ich glaube Dein Freund schielt. Auf solche Leute habe ich immer eine besondere Wirkung. Ich bin nämlich ein Scheinlöwe.”
Scheinlöwe! Das war ja wohl das Dümmste, was ich in meinem Leben je gehört hatte. Doch ich versuchte nun, meine Nasenspitze zu betrachten während ich den Kopf in seine Richtung wandte. Tatsächlich, auch ich zuckte zusammen. Vor mir schien ein riesengroßer Löwe mit einer zotteligen schwarzen Mähne zu sitzen und Euer Großvater wirkte aus dieser Perspektive wie ein ziemlich dünnes Hemd. Na sowas! Als ich wieder geradeaus gucken konnte bemerkte ich, daß der Kater bitterlich weinte. „Keiner mag mich”, schluchzte er und sprang auf meinen Schoß. Ich kraulte ihm sanft den Kopf, wobei Großvater erneut in Ohnmacht fiel. „Seit Ewigkeiten sitze ich auf dieser Insel fest, weil alle so große Angst vor mir haben.” Ich beschloß ihn mitzunehmen, weil mir das Am-Kopf-Kraulen allmählich Spaß machte und er so nett dabei schnurrte (das konnte Euer Großvater nämlich nicht). Mein schielender Lebensgefährte wurde in die Tatsachen eingeweiht und ich versprach ihm, daß ich ihm eine Brille kaufen würde. Wir nahmen Leo Löwenherz – wie wir ihn tauften -mit auf unser Schiff und ließen ihn in unserem Wagen wohnen, wo er alsbald anfing, Gedichte zu schreiben. Ich hatte mir geschworen auch nie mehr zu schielen, Euer Großvater gefiel mir doch viel besser als Mann mit Format.

Wir segelten nun zu dritt über die Ozeane, die uns unter den Bug kamen und gingen oft an Land, um uns an den Strand zu legen und in der Sonne zu brutzeln. Leo trug immer einen Schirm mit sich, um sich nicht das Fell zu versengen. Er entwickelte sich langsam zu einer Mimose. Gott sei Dank war Euer Großvater wieder normal und leistete sich keine weiteren Schwächeanfälle. Er träumte nun davon, mit einer Dressurnummer für Leo im Zirkus aufzutreten. Alle Zuschauer sollten spezielle Schielbrillen bekommen damit sie ihn und seine Tapferkeit bewundern konnten. Ich ließ ihn träumen. So wie ich es auch tat….. Männer sind behaart und haben Muskeln. Und dürre Heringe gehören aller höchstens in die Pfanne!

Continue reading...
Older Entries Newer Entries