Der Blackbird wird olympisch

Ab und zu gibt es so Momente im Hobbyfotografen-Dasein, bei denen es in einem – nicht nur mit der Kamera sondern auch im übertragenen Sinne – Klick macht.  Momente, in denen man wieder einmal merkt, warum man sich gerade dieses und kein anderes Hobby ausgesucht hat.

Bei mir hat es zuletzt Anfang Juni “Klick gemacht” – während des Happy Shooting Workshops in Berlin.

Angereist bin ich noch mit vollem Equipment, meiner digitalen SLR und mit  meinem wieder genesenen Analogschätzchen – der Nikon FE2. Ich war mir noch nicht sicher, wohin die Reise gehen sollte … noch nicht.

Leider werde ich nicht jünger und mein (sehr analoger) Schiefhals überzeugte mich am Morgen der Exkusion ins Olympiastadion, nur mit dem kleinen Besteck loszuziehen. Die FE2, geladen mit dem Rollei Blackbird, und zwei Festbrennweiten – 24 sowie 50mm. Anfänglich fehlte mir ja was, die Fototasche war so seltsam leicht (die Kamera passt selbst mit Objektiv dran beinahe in die Hosentasche). Im Laufe des Tages allerdings hat mich die kleine, leichte Ausstattung wirklich begeistert. Es kann ein sagenhaft befreiendes Gefühl sein, fast nichts in der Hand zu haben – nicht von einem schweren Schulterriemen schief gezogen zu werden.

Ich fand es überhaupt nicht schlimm, nicht jeden “Schuss” ergattern zu können (Turnschuh-Zoom reicht weit, aber nicht über Zäune und Gräben) . Im Gegenteil, ich fühlte mich angespornt, Motive aufzustöbern, die passten bzw. andere “passend zu machen”.

Der Rollei Blackbird hat mir schon lange aus dem Kühlschrank zugerufen: “Leg.Mich.Ein!”  Ein Schwarzweißfilm mit von Haus aus knackigen Kontrasten? Her damit! Er hat gehalten, was er versprach und ich habe mich ein bisschen verliebt. In einen Film.

Hier die Ergebnisse, belichtet auf ISO 100, entwickelt in Spürsinn HCD (1:9, 8 Minuten, geschwenkt, nicht gekippt), beeinträchtigt durch meinen Billigscanner.

[Klick auf eins der kleinen Bilder öffnet die Galerie, in der man über “next” weiter blättern kann.]

Fazit: zu sagen, es hätte mir nur Spaß gemacht, wäre untertrieben. Ich habe es unendlich genossen, mal wieder fotografisch richtig “Hand anzulegen” – vom Einlegen des Films, über manuelles Scharfstellen, bis zum dem beinahe schon sprichwörtlichen “Fummeln im Dunkelsack” (gell?) und dem Matschen in der Küche. Fehlt nur noch ein Nachmittag in der Dunkelkammer.

!! Für alle Bilder gilt: ©Monika Andrae – sämtliche Rechte  vorbehalten – All rights reserved!!

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Analoge Licht- & Schattenspiele

Letztes Wochenende  – anlässlich des “Absolut Analog” Foto-Workshops bei Spürsinn in Braunschweig – hatte ich endlich die Gelegenheit, einmal eine Kamera mit dem Lucky SHD100 zu bestücken. Meine eigene frisch erworbene Nikon FE2 hatte zwar beschlossen sich noch ein bisschen zu zieren, aber zum Glück hat mir Chris mit seiner Minolta X700 ausgeholfen.

Nach einigen Jahren voll elektronischem und autofokussiertem Kleinbild sowie knapp 6 Jahren digitalem APS-C-Format hatte ich nun zum ersten Mal seit gefühlten Äonen eine mechanisch zu fokussierende KB-Kamera in der Hand. Was soll ich sagen – es hat s**mäßig Spaß gemacht.

Auf der Suche nach typischen Moni-Motiven, bin ich über das Rollei-Gelände gestreift und gerobbt. Eine ordentliche Workshop-Location lässt sich natürlich nicht lumpen und in Kombination mit einigen “lichten Momenten” fand ich sie dann. Meine Schatten. Sagte ich schon, dass ich einen Schattenfetisch habe? Nein? …

Der Lucky bekam eine echte Bond-Entwicklung (gerührt und nicht gekippt, um zu verhindern, dass der Film während der Entwicklung Sauerstoff ausgesetzt wird) in Spürsinn HCD Mischungsverhältnis 1+15 und einer Entwicklungszeit von 7 Minuten.

Meine Negative hatten durchweg reichlich Zeichnung, waren aber für meinen Geschmack in den Tiefen nicht knackig genug. Nach dem Scannen habe ich deshalb etwas an den Gradationskurven gezupft. Hier das Ergebnis, in Tonwert und Kontrast korrigiert:

shadow on stairs, © Monika Andrae

shadow on stairs, © Monika Andrae

shadow grid, © Monika Andrae

shadow grid, © Monika Andrae

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Abenteuer out of the Box

Frisch vom Analogvirus befallen, haben Chris und ich gestern unsere Boxen ausgeführt. Beim letzten Ausflug hatte meine Brownie schon nach dem ersten Bild den Transport verweigert. Ein bisschen Gefummel im Wechselsack  und eine Opfergabe an die  Boxen-Göttin (drei Bilder), machen den Drehknopf für den Filmtransport aber wieder einigermaßen willig.

Später – nach dem Entladen – sehen wir , dass die Spulen des 120er Rollfilm einen Tick zu breit für die Brownie sind. Die Filmkante hat an einigen Stellen unschöne Dellen bekommen. Gott sei Dank habe ich noch zwei Original 620er Spulen und so werde ich mir demnächst auch noch das Umspulen von 120er auf 620er Spulen beibringen. (Wieder was dazu gelernt, Lektion 1)

Vor dem Entladen kommt aber der dem Silvester-Menü vorgelagerte aperitive Spaziergang auf dem wir unsere Neuerwerbungen Gassi führen. Mir bleiben jetzt noch genau 5 Bilder übrig, um Fotobeute nach Hause zu tragen.

Die Box ist ein Leichtgewicht, was sich für mich ungewohnt anfühlt. Normalerweise bin ich mit einigen Kilo Spiegelreflexequipment unterwegs – selbst, wenn ich nur Body und Lieblingslinse mitnehme. Der fehlende Zoom führt zu schlammigen Schuhen, denn wenn es im Sucher noch nicht gescheit aussieht, muss ich halt in den Straßengraben oder ins Feld stiefeln. Wenigstens das wundert mich nicht, meine Festbrennweiten sind mir auch im digitalen Leben lieb und teuer.

Das Wetter ist grau und matschig und der Tag ist auch um drei Uhr nachmittags nicht wirklich hell. Der Spaziergang führt uns über die Felder nahe Horb am Neckar – richtig spannende Motive sind nicht zu erwarten. Auf der Liste stehen genau eine alte Scheune, und zwei bis drei Baumgruppen. Der Rest ist Industriegebiet und Silo-Landschaft. Bitte sehr: das ist’s was heraus kam.

Baum aus der Box

Baum aus der Box

Scheune in der Box

Scheune in der Box

Auch beim Entladen gibt sich die Brownie verklemmt. Der Filmspulknopf will weder vor noch zurück, noch raus. Also ab mit der Kamera in den Wechselsack und fröhlich herumgefummelt. Mir will sie nicht gehorchen und ich habe Angst davor, an irgendeiner Stelle zuviel Kraft einzusetzen. Also muss Chris ran … er überredet das störrische Gerät und befreit den Film. Tja .. das Ding ist ganz klar weiblich. (Wieder was dazu gelernt, Lektion 2)

Immerhin, das Einspulen des Films in die Spule fluppt auf Anhieb – und das nach gefühlten Äonen Spulen-Abstinenz. Ich bin erleichtert und doch nicht so eine Grobmotorikerin wie befürchtet. (Wieder was dazu gelernt, Lektion 3)

Nach einem Blick in die Datenblätter von Film und  Entwickler sowie einem kurzen Telefonat mit den Spürsinnlern wurde der geladene Rollei R3 ein paar Minuten vorgewässert und in einer Standentwicklung (1+25, 40 Minuten, 20°C, ab und zu mal anschubsen) entwickelt und ilfordmäßig vergewässert. Ein erster Blick auf die Negative und ich bin noch mal erleichtert. Sieht aus als wäre Zeichnung in den Lichtern UND in den Tiefen. Dat Glück is mit die Dummen. Sagte schon meine Oma. Trocknen lassen, zwischendurch Reste-Risotto futtern, dann ist es Zeit zu scannen und anschließend gespannt über Photoshop zu brüten. So ein bisschen kommt bei mir Goldgräberstimmung auf. Doch gar nicht sooo schlecht das Ergebnis.

Einer Digital-Tante wie mir stellt sich beim Anblick der Bilder natürlich die Frage: wieviel kann/darf ich daran optimieren, bevor der analoge Charakter oder das so angenehm unperfekte Erscheinungsbild der Box-Aufnahmen verloren geht?  Im ersten Schritt habe ich es mal bei globalen Tonwert- sowie Kontrastbearbeitungen sowie ein bisschen partiellem Nachbelichten belassen. Ich muss mich erst herantasten und ein Gefühl für das Material entwickeln.

Tja … und von was die (seltsam periodisch auftretenden) elliptischen dunklen Flecken bedeuten, die über jedes meiner Negative tanzen, weiß ich noch nicht. Irgendwas habe ich wohl doch falsch gemacht. Sei’s drum. Ich freue mich schon auf den nächsten Streifzug mit den alten Schätzchen.

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Eine Woche später

Der Blumenstrauß, den ich bekommen habe, ist inzwischen verwelkt, (beinah) schlaflose Nacht davor ist vergessen, das Schlafdefizit aufgeholt.

Inzwischen kann ich meine große Nervosität im Vorfeld der meiner ersten Austellung wieder relativieren – es ist eben “nur” eine firmeninterne Veranstaltung. Die Eröffnung wird sehr schnell, die Bilder spätestens in drei Monaten, wenn sie durch Werke eines anderen Kreativen ersetzt werden, wieder vergessen sein. Eigentlich also kein Grund wibbelig zu werden, oder?

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Der perfekte Auflauf

Gastblogger Chris Marquardt hat das Wort.

Es kommt wie es kommen musste, der Urlaub geht langsam zu Ende und die schöne Zeit in den Schweizer Alpen lässt sich nicht beliebig verlängern. Um so besser ist es, ein paar schöne Erinnerungen mitnehmen zu können. Und natürlich (wie könnte es nach dem letzten Beitrag anders sein) dreht sich auch hier alles um das Essen.

Das leibliche Wohl und die Reisen. Ich liebe es, im Urlaub das Essen zu zelebrieren, mit lokalen Zutaten selbst zu kochen und herauszufinden, was die Gastküche der Gastwohnung so alles hergibt. Glücklicherweise bietet unsere aktuelle Unterkunft so ziemlich alles, was man in der Küche (und nicht nur dort) braucht. Und das sogar meist doppelt. Bis auf den Staubsauger, den gibt es in dreifacher Ausführung. Aber ich schweife ab.

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