Month: January 2007

  • Kinder-Essen

    Es ist Sonntag. Sonntag vormittag – und ich befinde mich gerade daheim. Daheim meint, im Haus meiner Eltern. Im Lauf der letzten Woche habe ich entschieden, dass ein bisschen Heimatluft meinem Gemüt vielleicht ganz gut tun würde. Darum habe ich mich am Freitag zum Feierabend trotz Kyrill oder seinem Nachfolger für 3 Stunden auf die Autobahn begeben und bin gen Rheinland gerollt.

    So ein Wochenende zu Hause entbindet mich von dem Zwang selbiges mit Einkaufen, Putzen oder Ablage von div. Schreiben zu verbringen und lockt daher mit scheinbar mehr faul verbrachter Freizeit. Andererseits endet es immer schon früh, nämlich gegen 17:30 Uhr am Sonntag, wenn ich mich wiederum in mein mausgraues Auto setze um rechtzeitig zum Abendprogramm wieder in meiner norddeutschen Wahlheimat einzutreffen.
    Wochenenden, die früh so enden, pflegen bei mir gleich Sonntags nach dem Aufstehen mit einer kleinen Wochenend-End-Depression zu beginnen, weshalb ich meist eine Zeit brauche, um zu Normalform aufzulaufen. So auch heute. Inzwischen bin ich allerdings schon ein bisschen besänftigt. Ich habe lange heiß geduscht, was bei mir ein Allerheilmittel darstellt – so wie bei anderen eine Tasse Tee.

    Jetzt zieht ein Duft von Mittagessen durch das Haus, der mich mit leiser Nostalgie erfüllt. Heute gibt es ein echtes Kinderessen. Hühnerragout mit Reis und Erbsen-und-Möhren-Gemüse. Dazu – wie immer – selbst gemachten Apfelkompott in der kurz-vor- Mus-Konsistenz. Obwohl sicherlich nicht der Haute-Cuisine angehörend, gehört das doch zu den Speisen, die ich immer schon gemocht habe und auch heute noch gerne esse. Da kommen Erinnerungen auf an eine Zeit, in der ich noch in der Lage war, vollständig in einer Welt zu versinken, die bevölkert war von Sam Hawkins, Winnetou und Old Shatterhand, durch die quietschend meine Lego-Eisenbahn fuhr und in der ich regelmäßig mein Steckenpferd bestieg um “auszureiten”. Seltsam, was so ein Duft oder die Vorfreude auf ein bestimmtes Im-Mund-Gefühl auslösen können.

    Zwei Fragen kommen mir dabei allerdings. Wieso kann ich heute an freien Tagen nicht mehr so “versinken” … in Büchern, Musik oder Hobbies? Und Außerdem: Gibt es bei Ihnen auch Gerichte, die bei Ihnen direkt Erinnerungen an Kinderzeiten auslösen? Gute oder schlechte .. an Oma und Opa oder an die Eltern? Gibt es bei Ihnen Gerichte, mit denen man Sie als Kind gequält hat und die Sie deshalb noch immer nicht runterbekommen?
    Bitte erzählen Sie mir doch davon – oder anders ausgedrückt: Her mit den Geschichten ! Ich sterbe vor Neugier!

  • Angriff der Killernagelschere

    Es ist wieder passiert. Blut ist geflossen.
    Wer mich kennt weiß, dass mir ein ums andere Mal ein Mißgeschick mit scharfen oder spitzen Dingen passiert. Das liegt jedoch mitnichten daran, dass ich mich ungeschickt anstelle. Vielmehr ist ein gewisses Eigenleben die Ursache, das der scheinbar so unbelebten Materie, die mit mir zusammenwohnt, innewohnt.

    Gestern abend setzte eine eigentlich sicher auf der Ablage im Bad schlummernde Nagelschere unvermittelt zum Sink- nein Sturzflug an. Der Flug war kurz, die Landung sauber. Sie (die Schere) steckte Spitze vorweg in meinem großen Zeh. Der kleine Kratzer entwickelte ein großes Geltungsbewußtsein und tropfte ungeheuerlich. So bin ich mit einem in Klopapier gewickelten großen Zeh durch die Wohnung gehüpft, auf der Suche nach Pflaster, welches sich natürlich rechtzeitig vor mir in Sicherheit gebracht hatte. Schließlich habe ich es in einer Box in der Küche ausfindig gemacht. Hierhin muss es sich nach dem Angriff des Kochmessers und der darauf folgenden Verarztung meines Zeigefingers, zurückgezogen haben.

    Auch gegen mein Bett und mein Sofa bin ich machtlos. Beide fallen mich recht regelmäßig an, klammern sich an mich und schläfern mich ein. Vielleicht ist gegen mich eine Meuterei im Gange.
    Auf der Suche nach neutral gestimmter Materie, habe ich heute das Nachhausekommen so weit es ging hinausgezögert und einen Umweg über die Sauna gemacht. Allerdings drängt sich mir nach dem heutigen Besuch der Verdacht auf, dass die Liegen im Ruhebereich eine unheilvolle Allianz eingegangen sein könnten.